kempelen
Ein Solitär mit hybrider Nutzung setzt sich selbstbewusst in die Ordnung des städtebaulichen Leitbilds und bildet mit seinem Hochpunkt an der Bahntrasse einen prägnanten Quartiersabschluss im Osten des Entwicklungsgebiets
Auftraggeber
WBV-GPA
Zeitraum
2023 -
Programm
Wohnheim mit hybrider Nutzung, ca. 16.000 m² BGF
Team
Maria Pernegger, Lisa Lamberty, Casper G. Zehner, Helmuts Kaugers
Fachplaner
Landschaftsarchitektur - rajek barosch
Statik – DSP Dorr-Schober (WB Werkraum Ingenieure) Haustechnik – HTP-Plan (WB teamgmi) Bauphysik/Brandschutz – B-Lab
Renderings
Zoom VP
Städtebau
Seiner Nutzung entsprechend beansprucht der Baukörper weder in seiner architektonischen Ausbildung noch in seiner geometrischen Form eine Sonderstellung im urbanen Gefüge. Er übernimmt das orthogonale System des Masterplans und steht mit seinem Hochpunkt an der Bahntrasse im großräumlichen Dialog mit den hohen Baukörpern des westlichen Planungsgebiets. So bildet er eine gute Basis für eine zukünftige, kohärente Entwicklung am westlich gelegenen Nachbargrundstück.
Die niedrigen Gebäudeteile sind im Bereich der Einbautentrasse vom Boden abgehoben und bilden einen intimen und doch nach außen hin geöffneten Innenhof. Die Sockelzone des Gebäudes nimmt nur einen Teilbereich der darüber liegenden Geschoßflächen in Anspruch und kommuniziert intensiv mit den umliegenden Freibereichen.
Struktur Erschließung Nutzungsverteilung
Der Hauptzugang des Gebäudes befindet sich an der Quellenstraße, im ersten Obergeschoss. Über einen großzügigen zweigeschoßigen Vorbereich kommt man ins Hauptfoyer, von dem aus man alle öffentlichen und halböffentlichen Nutzungseinrichtungen der Sockelzone und die vertikale Haupterschließung des Gebäudes erreicht. Neben dem Foyer, an der Südwestecke der Sockelzone, ist ein Café situiert. Nach Osten hin erweitert sich das Foyer zu einer multifunktionalen, konsumfreien Zone. Beide Bereiche nutzen den vorgelagerten zweigeschoßigen Freibereich für Außenraumaktivitäten und haben Sichtverbindung zum Kinder- und Jugendspielplatz im Süden. Über eine offene Treppe mit Luftraum ist das Foyer mit dem auch für externe Veranstaltungen genutzten Multifunktionsraum im nördlichen Erdgeschoßbereich des Gebäudes verbunden. Einen zusätzlichen Gebäudeeingang, über den die vertikale Erschließung der Wohnebenen unabhängig vom Hauptfoyer erreicht werden kann, gibt es im Osten auf Erdgeschoß-Niveau. Hier befindet sich auch der Müllraum und der Zugang zum Fahrradabstellraum.
Auf der Ebene 2 gibt es Gemeinschaftsräume mit geringerem Öffentlichkeitscharakter, die hauptsächlich von den Bewohner*innen genutzt werden. Sie bilden zusammen mit den ihnen vorgelagerten Terrassen und Freibereichen den intensiv begrünten „Boden“ des Innenhofs, der so zu einem die Geschoße übergreifenden Ort für Aufenthalt und Kommunikation wird.
Vom 2.Obergeschoß aufwärts liegen die Wohneinheiten, angeordnet in einer über die Ebenen gleichbleibenden Grundstruktur. Diese Struktur zeigt sich klar auf den Ebenen 4 bis 7, auf den Ebenen 2 und 3 ist sie reduziert, da das Volumen in den laut Bebauungsplan freizuhaltenden Bereichen des öffentlichen Durchgangs an der Bahntrasse und der Einbautentrasse zurückgeschnitten ist. Ab dem 8. Obergeschoß wird nur mehr der nördliche Teil des Gebäudes mit dem Haupt- und Fluchttreppenhaus bis zu einer Gebäudehöhe von 35 m hochgezogen.
Die Geschoßstruktur entwickelt sich von einen Mittelgangtypus im nördlichen Bereich zu einer ringförmigen Laubengang-Erschließung mit Innenhof im Süden. Die Ebenen sind in einen nördlichen und einen südlichen Brandabschnitt mit jeweils maximal 800 m² geteilt. Beide Abschnitte sind direkt an das mittig liegende Sicherheitstreppenhaus der Stufe 1 mit Lift und Feuerwehrlift angebunden. Im nördlichen Brandabschnitt gibt es ein weiteres Fluchttreppenhaus. Durch die Setzung jeweils eines Treppenhauses im nördlichen und mittigen Bereich und durch die ringförmige Erschließung im Süden ist sichergestellt, dass von jeder Wohneinheit in weniger als 40 m das Sicherheitstreppenhaus erreicht werden kann, und dass jeder Einheit ein weiterer baulicher Fluchtweg, der laut OIB-Richtlinie bei einer Wohnheimnutzung unbedingt erforderlich ist, zur Verfügung steht.
Die ringförmige Laubengangerschließung im südlichen Bereich weist noch einen weiteren wesentlichen Vorteil auf: Da von jeder Einheit zwei unterschiedliche Fluchtrichtungen möglich sind, können sich die Wohneinheiten zum Laubengang hin ohne weitere brandschutztechnische Einschränkungen öffnen. Dadurch transformiert sich der Laubengang von einer monofunktionalen Erschließungszone zu einem aktiv bespielten und mehrfach besetzten Element mit sozialer Wirkung im Gebäude. Ausgestattet mit Pflanztrögen und balkonartigen Erweiterungen wird er zum Treffpunkt im Haus und bietet einen zusätzlichen Außenraumbezug für die hier liegenden Wohneinheiten. Im Zusammenspiel mit dem großzügigen Mittelgang, dem zentralen Erschließungskern und den Terrassen im Innenhof entsteht so ein klar strukturiertes, helles und übersichtliches Erschließungssystem mit hoher räumlicher Qualität.
Im 8. Obergeschoß liegt die zentrale Gemeinschaftszone für die Heimbewohner*innen. Spielzimmer, Lernraum, Waschküche und ein großer Gemeinschaftsraum mit Küche bieten vielfältige Möglichkeiten für soziale Interaktion und Freizeitaktivitäten. Diese Zone ist mit einer zugeordneten Sanitäreinheit ausgestattet und steht in direkter Verbindung mit der vorgelagerten großen Dachterrasse im Südwesten.
Externe Büroflächen und ein Seminarbereich mit auskragenden Terrassen bilden im 10. Obergeschoss den oberen Abschluss des Gebäudes.







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